Sing&Dance

Vom Gehen zum Tanzen

So gut wie jeder Chor, der sich auf der Bühne auch bewegt oder bewegen möchte, stößt an folgendes Hindernis: Das, was ich mir so schön zuhause ausgedacht habe, sieht beim Chor ganz anders aus, als ich mir das vorgestellt habe. Wenn dir das passiert, stelle dir zwei Fragen:

1. Ist die Choreo einfach genug? Wenn nicht, reduziere (drastisch) den Schwierigkeitsgrad.

1. Wie wird die Choreo ausgeführt, wir sie „gegangen“ oder „getanzt“?

Wir widmen uns heute ausführlich dem zweiten Punkt. Den ersten bewahren wir uns für später im Jahr auf. Denn meines Erachtens brauchen wir einen Wechsel der Perspektive, was die Ausführung von Choreografien betrifft. Die Chöre, in die ich zum Coaching komme, machen fast alle den gleichen „Fehler“. Sie merken, dass die Choreo nicht so wirkt, wie sie sich das vorgestellt haben, und fangen nun mit der Feinarbeit an, um die Synchronisation zu verbessern. Es wird lange daran gearbeitet, die Bewegungen zu vereinheitlichen. Das Gegenteil würde mehr Erfolg versprechen! Denn durch diese Art der Feinarbeit („Jutta, etwas mehr nach links wenden! Klaus, den rechten Arm höher“) wird die Choreo vielleicht synchroner, aber immer statischer.

Was „richtig“ und „falsch“ bewirken

Warum ist das so? Tanzen ist eigentlich eine ganz individuelle, freudvolle Tätigkeit. Kaum jemand, der nicht gern tanzt! Aber die Freude geht schnell verloren, wenn ich das, was ich tu, in „richtig“ und „falsch“ einteile. Wenn ich alles richtig machen möchte, geht Lebendigkeit verloren.

Die Choreo hat ja eigentlich die Aufgabe, die Musik und die SängerInnen zu beleben, locker zu machen und vor allen Dingen den Song in seiner rhythmischen Essenz zu begreifen und zu vermitteln. Sie ist eine wunderschöne Möglichkeit, die Individualität der einzelnen SängerInnen zum Ausdruck zu bringen. Daher möchte ich euch vorschlagen, mal für eine Weile den Fokus auf den individuellen Ausdruck der Einzelnen zu legen. Beginnt mit dieser kleinen Übung, am besten zur Einstimmung ganz am Anfang der Chorprobe.

Es ist sehr wichtig, die Leute zu ermutigen, ganz individuell, seltsam, kreativ und eigen zu tanzen – auf ihre ganz eigene Art. Es gibt kein richtig und kein falsch. Es geht nur darum, selber Freude beim Tanzen zu verspüren. Wichtig ist die anschließende Reflexion: Was ist für dich persönlich der Unterschied zwischen gehen und tanzen?

Eine Choreo tanzen statt gehen

Jede Choreo kann „gegangen“ und „getanzt“ werden. Der Unterschied ist frappierend! Probierts mal aus, indem ihr die Übung auf eine eurer Choreos übertragt. Genau wie bei der Übung wechselt ihr dabei zwischen gehen und tanzen. Betont dabei am besten immer wieder, dass dies „nur“ eine Übung ist und jede und jeder so ungewöhnlich und kreativ die Bewegungen ausführen darf, wie sie möchte. Es geht nur darum, den Unterschied zu erfahren: Wie fühlt es sich an, eine Choreo wirklich zu tanzen?

Kleiner Tipp

Widerstehe dabei unbedingt der Versuchung, wieder in die alte „Korrigiereritis“ zu verfallen. Lass es einfach mal so stehen, nimm die Freude an der Bewegung wahr, die entsteht! Lobe, ermutige. Wir lernen grad was. Es muss noch nicht gleich perfekt sein.

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